Zusatzinformationen

Dorferneuerung Kirchscheidungen, Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt

Das Dorf Kirchscheidungen liegt im Tal der unteren Unstrut, einer reizvollen Kulturlandschaft mit ausgeprägten schützenswerten Elementen. Die ländliche Tradition des Weinanbaus besteht hier seit 1000 Jahren. Im Mittelalter entwickelte sich die Siedlung Kirchscheidungen als typisches Haufendorf, dessen originäre Struktur bis heute erhalten ist. Die namengebende Kirche St. Johannes bildete bereits im frühen Stadium der Siedlungsentwicklung einen sakralen Mittelpunkt für das Unstruttal.

Die bäuerlichen Wirtschaften in Großen Vierseithöfen sowie die Winzer prägten seit jeher die Erwerbsstruktur der Gemeinde. Darüber hinaus waren in Kirchscheidungen bis zur Mitte des letzten Jahrhunderts eine Vielzahl Handwerker tätig. Es gab einen Gasthof, zwei Läden und mehrere Handwerksbetriebe, Kirchscheidungen bildete mit etwa 500 Einwohnern ein blühendes ländliches Gemeinwesen.

Die Kollektivierung der Landwirtschaft ab 1960 veränderte die bestehende Nutzungsstrukturen in den Gehöften, verdrängte das Eigentumsbewusstsein der Bauern und trug entscheidend zum Verfall der Bausubstanz bei. Das traditionelle Handwerk wurde überflüssig. Arbeitsplätze für viele Einwohner boten die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und das 8 km flussaufwärts gelegene Zementwerk.

Als Folge des Konzentrationsprozesses der Verwaltung und der Einrichtungen des Gemeinbedarfes verlor die Gemeinde in den letzten 25 Jahren nach und nach fast die gesamte Infrastruktur. Bedingt durch eine veraltete Ver- und Entsorgung traten gravierende ökologische Missstände auf. Die Wohnbedingungen in der Gemeinde verschlechterten sich aufgrund dieser gesamten Entwicklung Ende der 80-er Jahre des letzten Jahrhunderts zusehends, so dass viele jüngere Einwohner abwanderten.

Nach 1990 gingen in Folge von Strukturveränderungen in der Landwirtschaft und der Industrie fast sämtliche Arbeitsplätze im Dorf verloren. In diesem Zustand und mit der moralischen Ver-pflichtung zur Bewahrung des wertvollen Erbes begann die Gemeinde 1993 mit der Dorferneuerung.

Wichtige Elemente der Dorfentwicklungsplanung waren:

  • der Verzicht auf neue Baugebiete außerhalb des bestehenden Ortsrandes und damit eine ressourcensparende Siedlungsentwicklung,
  • Um- und Ausbau vorhandener leerstehender und ehemals landwirtschaftlich genutzter Gebäude für Wohnzwecke, Gewerbe und Landwirtschaft,
  • Instandsetzung der wichtigsten ortsbildprägenden Gebäude und Gehöfte. Dadurch konnte die historische Siedlungsstruktur und das alt hergebrachte Ortsbild des Dorfes erhalten bleiben,
  • Wiederbelebung von landwirtschaftlichen Betrieben des Weinbaus als sogenannte Wiedereinrichter,
  • Direktvermarktung der erzeugten landwirtschaftlichen Produkte.

Die Gemeinde unterstützte das ökologische Bauen und Eigeninitiative der Bürger bei der Sanierung orts- und landschaftstypischer Bauweise durch beispielgebende Initialmaßnahmen. Die öffentlichen Straßen und die Dorfplätze als Kommunikationspunkte für die Dorfbewohner wurden nach strengen ökologischen Kriterien mit einer geringen Versiegelungsrate und einem hohen Anteil an Grünbereichen erneuert. Sämtliche Haushalte wurde mit neuen Anschlüssen für die Ver- und Entsorgung ausgestattet. Heute wird im Dorf überwiegend Erdgas zur Beheizung der Gebäude verwendet. Alle Grundstücke sind an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen, das Regenwasser wird dem Naturhaushalt vollständig wieder zugeführt. Durch die ökologisch bedingten Maßnahmen ist die Unstrut seitdem wesentlich sauberer geworden, die Luftqualität hat sich bedeutend verbessert. Die Gemeinde unterstützt Gewerbebetriebe sowie die Wiedereinrichter im Feldbau und im Weinbau durch eine zweckentsprechende Erschließung durch ländlichen Wegebau.

Das Umfeld des Dorfes wurde durch die Rekultivierung von zwei ehemaligen Abfalldeponien mit Anpflanzung landschaftstypischer Gehölze verbessert.Die Flußaue der Unstrut wurde naturnah zum Zwecke der Erholung neu gestaltet. Ein ehemaliges Trafohäuschen ist Wohnquartier für seltene und bedrohte Tierarten geworden. Ein Dorfgemeinschaftshaus entstand unter Mithilfe der Bürger durch Sanierung und Umnutzung eines alten Gebäudes. Die Kirche und ihr Umfeld wurden neu gestaltet.

Die Maßnahmen der Dorferneuerung haben zu einer wesentlichen Verbesserung der Wohn- und Arbeitsbedingungen der Einwohner beigetragen. Das Dorf wurde von Grund auf saniert und ist heute als ein Kleinod im Naturpark Saale-Unstrut-Trias-Land anzusehen.


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